Chemielehrer reicht das tödliche Gift
Kassel. „Romeo und Julia“ also. Muss das denn sein? Ist das nicht oft genug interpretiert, vertont, verfilmt, gespielt worden? So lautete die verschmitzte Einleitung des Programmhefts zur Premiere der wohl berühmtesten Shakespeare-Tragödie.
Geladen hatte am Freitagabend die Oberstufen-Theater-AG der Engelsburg-Schule. Die Kulisse: schlicht, modern, professionell. Hinter dem Vorhang versteckt ein Klavierspieler, der die gut zweieinhalbstündige Aufführung mit poetisch leichten bis tief melancholischen Klängen begleitete.
Es gehört Mut dazu, ein Stück aufzuführen, in dem jedes Wort, jede Geste zum Vergleich einladen. Noch dazu, wenn man sich für eine vornehmlich klassische Inszenierung entscheidet. Eine Herausforderung, der die Theatergruppe, bei der Schüler und Lehrer gemeinsam auf der Bühne standen, vollauf gewachsen war. Allerdings stahlen die Jungen den Älteren eindeutig die Show: Allen voran David Brehm als lyrischer Romeo mit glockenklarer Stimme und dem Habitus eines Profis. An seiner Seite ein frecher Mercutio in Lederjacke (Yelena Bonzel) und der charmante Christian Lukas alias Benvolio. Das hitzige Dreigespann erinnerte an die grellbunte Luhrmann-Verfilmung des Liebesdramas, aber auch an die unglücklichen Helden aus „Der Club der toten Dichter“.
Bei den Damen glänzten Julia Zöltzer als quirlige, übereifrige Amme und Isabelle Tyrasa als schnäpfige Lady Capulet. Auch Julia (Luca Jurczyk) überzeugte, hätte aber an entscheidenden Stellen mehr aus sich herausgehen können. In jedem Fall herrschte Stimmung in der ausverkauften Turnhalle. Gelächter und Applaus gab es zum Beispiel, als Chemielehrer Hans-Dieter Mell mit schiefer Perücke als Apotheker das tödliche Gift überreichte oder Romeo zu früh vom Totenbett erwachte. Wieder am Dienstag, 19.30 Uhr, Aula. Foto: Rehrmann
Carolina Rehrmann