Veranstaltung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls

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Bedeutende historische Ereignisse und Gedenktage hinterlassen auch in den Schulen Spuren. Aus Anlass des 20. Jahrestages des Mauerfalls in Deutschland lud die Fachschaft Geschichte des Engelsburg Gymnasiums in Kassel am 9.11.2009 zwei Zeitzeugen ein, die vor den 120 Schülern der Jahrgangsstufe 9 von ihren Erlebnissen im Sommer und Herbst 1989 in der DDR erzählten. Die Geschichtslehrer hatten die Thematik im Unterricht inhaltlich vorbereitet, während die Organisation und Moderation der Veranstaltung in den Händen von Dr. Ulrike Krämer und Detlef Rosenbach lag.

Engagiert und lebhaft berichtet Schwester Renata Maria vom Orden der Schwestern der Hlg. Maria Magdalena Postel in Heiligenstadt von den dramatischen Tagen im Oktober 1989 im Eichsfeld. Hier gab es in Anlehnung an die Montagsdemonstrationen in Leipzig auch Zusammenkünfte von vielen Menschen, immer im Anschluss an die Gottesdienste in den drei großen Kirchen der Stadt, die am Anfang der Woche stattfanden. Zu Beginn waren es immerhin schon 300 Teilnehmer, Ende Oktober war die Teilnehmerzahl auf 30.000 angestiegen. Auf die Frage eines Schülers, ob die Schwestern mitmarschiert seien, antwortete Sr. Renata Maria: „Natürlich waren wir dabei. Selbst unsere älteste Schwester mit ihren 80 Jahren hat sich beteiligt!“ Auf die Frage, wie sie auf die Nachricht vom Mauerbau reagiert habe, sagte Sr.Renata Maria: „Es war eine große Freude für uns. Wir sind am nächsten Tag sofort nach Duderstadt gefahren, um zu schauen, wie es im Westen aussieht. Aber das schönste war: Wir fühlten uns endlich frei und hatten keine Angst mehr vor Kontrollen.“

Die zweite Zeitzeugin an diesem Tag, Grit Tilgner aus Dresden, seit August 2009 Lehrerin für Biologie und Chemie an der Engelsburg, ging in ihren Schilderungen auf die Ereignisse in der Stadt Leipzig ein. Sie selbst studierte 1989 in Leipzig und hat die Entwicklung der Montagsdemonstrationen hautnah mitbekommen. „Man hat an der Uni großen Druck auf uns ausgeübt und vor der Teilnahme an den Demonstrationen gewarnt. Da ich immer schon Lehrerin werden wollte, bestand die Gefahr, dass man mir meinen Berufswunsch verwehrt hätte.“ Sie hat deshalb an den Demonstrationen bis zum 9. Oktober nicht teilgenommen. Über Bekannte hatte sie erfahren, dass die Armee in Alarmbereitschaft rund um die Stadt gesetzt worden war, so dass durchaus mit einem gewalttätigen Eingreifen des Staates gerechnet werden konnte. Erst als nach dem 9.10. klar war, dass die Führung der DDR den Protesten freien Lauf lassen würde, habe sie sich an den Protesten beteiligt. Ihre kritische Sicht auf die Verhätnisse in der DDR hatte sich aber schon seit längerer Zeit verfestigt, da sie vor allem die Einschränkung der Reisefreiheit, hier des Verbots der freien Einreise in die CSSR, als Einschränkung ihrer Persönlichkeitsrecht gesehen habe. Als Naturwissenschaftlerin habe sie sich vor allem an den Umweltproblemen in der DDR gestoßen. „Hier gab es durch den Freiraum, den die Kirchen genossen, engagierte Gruppen, die diese Probleme thematisierten. Und hier habe ich mich eingebracht.“

Ein Vortrag von Schülern der Klasse 9a über die Wahrnehmung der Maueröffnung durch ihre Eltern und Lehrer rundete den Vormittag ab. Sie hatten kurze Interviews geführt und somit konnte auch die Perspektive von Zeitzeugen aus der alten Bundesrepublik mit eingebracht werden.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten am Ende der Veranstaltung durch einen lang anhaltenden Beifall ihren Dank für das Kommen der beiden Gäste. Die Offenheit der Zeitzeuginnen in der Wiedergabe ihrer Eindrücke hat die jungen Gymnasiasten nachhaltig beeindruckt.